Verzehrempfehlung für Ochtumfische

Liebe Vereinsmitglieder,

 

auf der heutigen Informationsveranstaltung beim Bremer Senat wurde der Sportfischerverein Bremen-Stuhr e.V. über eine Verzehrempfehlung von Fischen aus der Ochtum informiert.

Verzehrempfehlung: Aus Vorsorgegründen wird im Bereich der Grollander Ochtum sowie der stromabwärts befindlichen bremischen Abschnitte der Ochtum aufgrund der außergewöhnlich starken Belastung des Oberflächengewässers und der untersuchten Fische mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) für alle Verbrauchergruppen bis auf weiteres vom Verzehr dort geangelter Flussfische abgeraten.

Was bedeute dieses für die Vereinsmitglieder???

Bis auf weiteres, sollte auf einen Verzehr von Fischen aus der Grollander Ochtum und der Gewässerstrecke stromabwärts verzichtet werden.

Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei jedem Vereinsmitglied selbst.

Der Vorstand kann diese Entscheidung den einzelnen Vereinsmitgliedern nicht abnehmen.

Auf der Mitgliederversammlung am 29.03.2019 um 20:00 Uhr wird der Vorstand ausführlich berichten und dazu Stellung nehmen.

In der Anlage ist die ausführliche Begründung des Bremer Senats angefügt.

https://www.gesundheit.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen229.c.31919.de

 

Rolf Libertin

1.Vorsitzender

Sportfischerverein Bremen-Stuhr e.V.

Bremen , 27.03.2019

 

Verzehrempfehlung: Keine Fische aus der Ochtum essen

 

Fische, die im Bereich der Grollander Ochtum sowie der stromabwärts befindlichen bremischen Abschnitte der Ochtum geangelt werden, sollten nicht gegessen werden. Grund ist eine hohe Belastung des Oberflächengewässers der Ochtum und der untersuchten Fische mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS).

Die Umweltbehörde hatte im Rahmen regelmäßiger Untersuchungen in der Grollander Ochtum und der Ochtum einen erhöhten Gehalt an PFOS festgestellt. Der Stoff gehört zur Stoffgruppe der Perfluorierten Chemikalien (PFC). Weil die Verbindung kaum abbaubar ist, kann sie sich auch in Fischen, die in belasteten Gewässern leben, anreichern. Deshalb wurden auf Veranlassung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr im Frühjahr 2018 Fische aus diesem Bereich untersucht. Aufgrund der hohen Konzentration wurde die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz um eine gesundheitliche Einschätzung und Risikobewertung gebeten. Für dieses Umweltgift existieren noch keine Grenzwerte, sondern derzeit nur Richtwerte.

Die Risikobewertung wurde auf Grundlage des von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Dezember 2018 veröffentlichten Richtwerts für die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge erstellt. Nach diesem Richtwert würde selbst der Verzehr von 300 Gramm Fisch pro Woche die tolerierbaren Werte deutlich überschreiten. Daher empfiehlt das Gesundheitsressort zum Start der Angelsaison, bis auf weiteres darauf zu verzichten, Fische aus dem Bereich zu essen.

Verzehrbarkeit von Fischen aus der Ochtum - Verzehrempfehlung

 

Zur Umsetzung gesetzlicher Vorgaben veranlasst der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr regelmäßige Untersuchungen von Oberflächengewässern in Bremen. Bei diesen Untersuchungen ist im Wasser der Grollander Ochtum und der Ochtum ein erhöhter Gehalt an Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) aufgefallen. PFOS gehört zur großen Stoffgruppe der Perfluorierten Chemikalien (PFC). Weil die Verbindung kaum abbaubar ist, kann sie sich auch in Fischen, die in belasteten Gewässern leben, anreichern. Deshalb wurden Fische aus der Grollander Ochtum und der Ochtum, auf Höhe der Brokhuchtinger Landstraße, auf ihren Gehalt an PFOS im Muskelfleisch untersucht. 

 

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Belastung der Fische mit PFOS. Deshalb rät das Fachreferat Lebensmittelsicherheit der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz (SWGV) in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Bremen, dem für Boden- und Gewässerschutz zuständigen Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Verzehrbarkeit von Fischen aus der Ochtum - Verzehrempfehlung

 

Zur Umsetzung gesetzlicher Vorgaben veranlasst der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr regelmäßige Untersuchungen von Oberflächengewässern in Bremen. Bei diesen Untersuchungen ist im Wasser der Grollander Ochtum und der Ochtum ein erhöhter Gehalt an Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) aufgefallen. PFOS gehört zur großen Stoffgruppe der Perfluorierten Chemikalien (PFC). Weil die Verbindung kaum abbaubar ist, kann sie sich auch in Fischen, die in belasteten Gewässern leben, anreichern. Deshalb wurden Fische aus der Grollander Ochtum und der Ochtum, auf Höhe der Brokhuchtinger Landstraße, auf ihren Gehalt an PFOS im Muskelfleisch untersucht. 

 

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Belastung der Fische mit PFOS. Deshalb rät das Fachreferat Lebensmittelsicherheit der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz (SWGV) in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Bremen, dem für Boden- und Gewässerschutz zuständigen Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (SUBV) sowie dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen (SWAH) als Oberster Fischereibehörde des Landes Bremen mit der folgenden Empfehlung vom Verzehr der Fische ab.

 

Verzehrempfehlung: Aus Vorsorgegründen wird im Bereich der Grollander Ochtum sowie der stromabwärts befindlichen bremischen Abschnitte der Ochtum aufgrund der außergewöhnlich starken Belastung des Oberflächengewässers und der untersuchten Fische mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) für alle Verbrauchergruppen bis auf weiteres vom Verzehr dort geangelter Flussfische abgeraten.

 

Warum erfolgt die Verzehrempfehlung zum jetzigen Zeitpunkt?

 

Für die Untersuchung wurden 20 Plötzen aus der Grollander Ochtum und der Ochtum entnommen. Im Muskelfleisch der Fische wurde durchschnittlich eine PFOS-Konzentration von 51 µg/kg bzw. 53 µg/kg Frischgewicht nachgewiesen (1 µg = 0,001 mg). Damit wird an beiden Entnahmestellen die Umweltqualitätsnorm der Oberflächengewässerverordnung von 9,1 µg/kg Frischgewicht deutlich überschritten.

 

 

Für die Bewertung von PFOS-Gehalten in Lebensmitteln gibt es derzeit keine rechtlich verbindlichen Höchstmengen.

 

Allerdings haben die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Dezember 2018 auf der Basis zahlreicher toxikologischer Untersuchungen ihre Empfehlungen zur Bewertung der PFOS-Aufnahme aus der Nahrung aktualisiert. Sie geben eine Konzentration für eine mögliche wöchentliche Aufnahme von PFOS an, die nach derzeitigen Erkenntnissen bei lebenslanger Aufnahme keine gesundheitliche Beeinträchtigung erwarten lässt. Diese Aufnahmemenge beträgt 0,013 µg PFOS pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Danach könnte beispielsweise ein Erwachsener mit 60 kg Körpergewicht („Standard-Erwachsener“ in der Risikobewertung) pro Woche 0,78 µg PFOS aufnehmen.

 

 Um diese Aufnahmemenge einhalten zu können, dürften also von den oben genannten Plötzen pro Woche nur 14 g Fisch verzehrt werden. Da aber eine normale Portion Fisch deutlich mehr wiegt, wäre die akzeptable Menge von 0,78 µg PFOS schon mit einer Fischmahlzeit erheblich überschritten!

 

Die Verzehrempfehlung stützt sich zwar auf die genannten Ergebnisse der Untersuchungen der Plötzen. Es muss aber auch bei anderen Fischarten aus den betroffenen Gewässerabschnitten von einer ähnlichen Belastung ausgegangen werden. Die Empfehlung gilt daher zunächst für alle dort vorkommenden Fische. Hierzu finden in den nächsten Wochen nach Eintritt der erforderlichen äußerlichen Bedingungen (=Wassertemperatur >8°) schnellstmöglich weitere Untersuchungen statt, die bei Bedarf zu einer Aktualisierung der Verzehrempfehlung führen können.

 

Wie gelangte PFOS in die Grollander Ochtum und Ochtum? 

 

Die Verwendung von PFOS-haltigen Löschschäumen war über Jahrzehnte gängige Praxis auf deutschen Flughäfen, da von PFOS ausgehende Gefahren nicht bekannt waren. Mit der aktuellen Situation vergleichbare Fälle liegen z.B. am Militärflughafen Bitburg wie dem Flughafen Ingolstadt Manching vor. Auch auf dem Gelände des Flughafens Bremen kam es durch die Nutzung entsprechender Feuerlöschschäume zu andauernden Verunreinigungen des Bodens. Der Flughafen Bremen verzichtet aber seit 2003 – und damit deutlich früher als aufgrund gesetzlicher Verbote erforderlich – auf die Nutzung PFOS-haltiger Löschmittel. Weiterhin hat der Flughafen Bremen zusammen mit dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Untersuchungen angestellt, ein Sanierungskonzept entworfen und im Wirtschaftsplan 2019 ff. mit entsprechenden Mitteln hinterlegt. Aktuell gelangt das im Boden und Sickerwasser noch vorhandene PFOS noch heute über das Entwässerungssystem des Flughafens in die Grollander Ochtum.

 

 

 

Was ist PFOS überhaupt?

 

PFOS gehört zur großen Stoffgruppe der perfluorierten Chemikalien (PFC). Die PFC wurden aufgrund ihrer hohen Stabilität und besonderen technischen Eigenschaften über Jahrzehnte in zahlreichen industriellen Prozessen und Verbraucherprodukten eingesetzt. PFC sind kaum abbaubar und verbleiben daher für einen sehr langen Zeitraum in der Umwelt. Zwar wurde der Einsatz bestimmter PFC bereits stark eingeschränkt, aber sie sind aufgrund ihrer hohen Beständigkeit auch in Deutschland als Hintergrundbelastung in der Umwelt, der Nahrungskette und im Menschen nachweisbar.

 

Welche gesundheitliche Bedeutung hat PFOS?

 

PFOS kann über Nahrungsmittel (z.B. Milch oder Milchprodukte, Ei oder Eiprodukte, Fisch oder Kartoffeln) oder die Luft aufgenommen werden. Die Verbindung wird nur sehr langsam wieder ausgeschieden und bleibt daher lange im Körper. Es gibt Hinweise auf eine nachteilige Wirkung von PFOS auf das Neugeborenen-Gewicht. Bei Kindern vermindert es möglicherweise die Wirkung von Impfungen. Es gibt weiterhin deutliche Hinweise auf eine Erhöhung des Cholesterinspiegels durch PFOS. In Tierversuchen zeigten sich leberschädigende sowie krebserzeugende Wirkungen von PFOS. Studien beim Menschen haben aber bisher keine deutlichen Hinweise auf die Übertragbarkeit dieser Wirkungen auf den Menschen ergeben.

 

Welche Sanierungsmaßnahmen werden ergriffen?

 

Zur Sanierung der Verunreinigung auf dem Gelände des Flughafens Bremen und zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der PFC werden von der Flughafen Bremen GmbH umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant. Diese werden vom SUBV als zuständiger Fachbehörde begleitet. Die geplanten Sanierungsmaßnahmen betreffen den Boden, das Grundwasser und das anfallende Drainagewasser. Außerdem werden kurzfristig weitere Untersuchungen in anderen Umweltmedien stattfinden, um das Lagebild insgesamt zu schärfen.

Wenn Sie zu diesen Informationen weitere Fragen haben, stehen Ihnen die folgenden Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen gern zur Verfügung: 

Fragen zu Lebensmitteln: Frau Dr. Langenbuch, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, Tel. 361-5484

Fragen zur Wasserqualität der Ochtum: Herr Budde, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Tel. 361-5603

Fragen zur gesundheitlichen Einschätzung von PFOS: Frau Luther, Gesundheitsamt, Tel. 361-7510

Fischereirechtliche Fragen: Frau Dietzmann, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Oberste Fischereibehörde, Tel. 361-8725.